Home Office und mobile Arbeit

Digitalisierung 2021: Home Office und mobile Arbeit zu Zeiten von Corona

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5. Okt. 2021 ·
Was sind die Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Anforderungen an moderne Führungskräfte in Zeiten der Digitalisierung?
Inhaltsverzeichnis

In Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung ein längst überfälliger Paradigmenwechsel von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Führungskräften. Wenn wir diesen als Gesellschaft nicht aktiv steuern und leisten, werden das Home Office und die mobile Arbeit langfristig zum Fluch, obwohl sie doch ein Segen sein könnten!
Als Coach und Führungskräfte-Trainerin erfahre ich regelmäßig von meinen Kunden ganz direkt, wie die neuen Formen zu arbeiten erleichtern und bin erstaunt darüber, wie sehr sie auch subtil belasten. Darüber sprechen die meisten jedoch noch nicht offen, da die vordergründigen Vorteile wie:

  • Bessere Vereinbarung von Beruflichem und Privatem
  • Vermeidung von Fahrtzeiten
  • Konzentrierteres Arbeiten von zuhause
  • Mehr Autonomie in der Arbeitsgestaltung

sehr erwünscht und in Zeiten von Distanzgeboten und häuslicher Kinderbetreuung manchmal unumgänglich sind.

Corona ist Brandbeschleuniger und Brennglas für dieses Thema. Die Welt digitalisiert sich radikal und wir haben die Chance diese Entwicklung für unser Wohlergehen zu nutzen. Dafür müssen Unternehmer, Führungskräfte und Arbeitnehmer jedoch aufmerksamer werden und für die sinnvolle Gestaltung Verantwortung übernehmen.

Herausforderungen und Stolpersteine

Indirekte Steuerung: weniger Kontrollmöglichkeiten im Home Office und bei mobiler Arbeit erfordern Vertrauen, Leistungsbeurteilung anhand von Resultaten, das Zurverfügungstellen zeitlich realistischer Ressourcen und die Flexibilität der autonomen Arbeitseinteilung. Indirekt zu steuern, also durch Zielvereinbarungen, ohne dem Arbeitnehmer auch die Vorteile selbstbestimmten Handelns zu geben (bzw. Flexibilität in der Zeiteinteilung, Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg), führen in die Überforderung und Demotivation.

Interessierte Selbstgefährdung: beschreibt ein psychologisches Phänomen, bei dem Arbeitnehmer durch Erfolgs- und Karriere-Chancen aus eigenem Interesse erheblich mehr Stunden und Aufwand investieren als gesundheitsförderlich. Nur fällt es bei der Arbeit im Home Office nicht mehr auf und der Arbeitnehmer bespricht sich nicht mehr mit seinem Vorgesetzten sondern macht seine Mehrarbeit meist mit sich aus. So opfert er stillschweigend und schleichend seine physische und psychische Gesundheit. Hinzu kommt, dass Vorgesetzte und Kollegen die Leistung des Arbeitnehmers nicht mehr physisch wahrnehmen. Es entsteht intrinsischer Druck für den Arbeitnehmer besonders effektiv zu sein und sichtbare Ergebnisse zu liefern. Im Home Office werden deutschlandweit derzeit 50% mehr Überstunden geleistet als an Büroarbeitsplätzen. Die Entgrenzung zwischen Beruflichem und Privatem durch die digitale Erreichbarkeit im privaten Umfeld kann sich ebenfalls negativ auswirken. In vielen Fällen entsteht zusätzlich eine eigene Definition des Arbeitgebers von Krankheit, die Krankmeldungen und richtige Genesung stark reduzieren. Im Home Office kann man fast in jedem Gesundheitszustand arbeiten.

Steigende Arbeitsbelastung: man weiß heute, dass Video- und Telefonkonferenzen körperlich wie mental erheblich anstrengender sind als Präsenz-Meetings. Durch die hochkonzentrierte störungsfreiere Arbeit oder die kontinuierlichen Unterbrechungen durch kleine Kinder und das Gefühl weder dem Arbeitgeber noch der Familie gerecht zu werden, steigt die Arbeitsintensität zusätzlich. Diese Tatsache erfordert, die Arbeitszeit so anzupassen, dass auch qualitativ gute Arbeit geleistet werden kann. Heute geht man von maximal 35 Stunden pro Woche mit flexibler Zeiteinteilung aus.

Eigenverantwortung: Arbeitnehmer benötigen ihr eigenes Überwachungssystem, um Pausenzeiten nach individuellem Bedarf einzuhalten, Arbeitszeiten ohne schlechtes Gewissen zu definieren und begrenzen, eigene Strukturen für den Arbeitsalltag einzurichten, aber auch zu äußern, wenn bestimmte Rahmenbedingungen wie die Arbeit im Home Office für sie nicht geeignet sind, oder nur in bestimmten Zeitfenstern oder für bestimmte Aufgaben. Home Office und digitale Arbeit erfordern ein hohes Maß an eigener Verantwortung und Selbstbestimmung. Man spricht hier daher vom Arbeitnehmerunternehmer, da die Strukturen, in die ein Arbeitnehmer bisher eingebettet war, aufweichen und der Arbeitnehmer diese durch Selbstbestimmung im Sinne der eigenen Leistungsfähigkeit und den Zielen des Unternehmens selbst definieren muss. Wenn er sich mit dieser Selbstbestimmung jedoch unsicher fühlt, entsteht eine große mentale Belastung.

Dringender Handlungsbedarf

Führungskräfte brauchen Entwicklung und Unterstützung individuell und situativ zu führen. Deren Fähigkeiten mit ihren Mitarbeitern in den offenen Dialog zu gehen, deren Bedürfnisse und Wünsche zu hören, ernst zu nehmen und die Bereitschaft und Kreativität zu haben, win-win-Lösungen auf Augenhöhe zu entwickeln müssen erheblich verbessert werden. Die immer noch starke Tendenz anhand von Präsenz zu messen und nicht anhand von Resultaten ist in Zeiten von Home Office kontraproduktiv und überholt. Auch bedeutet Führung nicht mehr „zu bestimmen oder zu manipulieren“ sondern den anderen für die eigenen Ideen „zu gewinnen“. Die Kompetenz einzuschätzen, welche Ressourcen ein Mitarbeiter für die Erfüllung seiner Aufgaben wirklich benötigt ist eine wichtige Grundlage für dauerhaft motivierte Teams. Ebenso die Kompetenz zu erfragen und zu erspüren, ob ein Mitarbeiter wirklich zufrieden ist und klar kommt ist Grundsatz für langfristig motivierte Teams. Wir brauchen kluge Führungskräfte, die immer besser darin werden, individuell und kooperativ zu führen. Das Direktionsrecht, welches den Arbeitgeber gesetzlich berechtigt, den Ort der Arbeit zu bestimmen, wird uns an dieser Stelle nicht helfen, denn zwanghaft verordnet führt die Arbeit im Home Office ebenso wie die Rückkehr an den Arbeitsplatz nur zu Demotivation und passiver Verweigerung. Unternehmen und Führungskräfte sollten gemeinsam mit ihren Mitarbeitern individuelle Lösungen und Kompromisse finden, die von beiden Seiten befürwortet werden. Dort, wo die Arbeit im Home Office produktiv ist, gut gelingt und vom Arbeitnehmer gerne aus dem Home Office heraus gemacht wird, sollte das auch so beibehalten werden. Gleichzeitig sollten Führungskräfte sicherstellen, dass sich Mitarbeiter regelmäßig persönlich sehen, um wichtige Meetings abzuhalten, kreativ zu sein, voneinander zu lernen und sich mit dem Unternehmen zu identifizieren. Andernfalls wird der Arbeitgeber beliebig und austauschbar.

Fazit eines Coaches: Wir brauchen Führungskräfte, welche die Kompetenz haben zeitgemäß zu führen, die Ihre Rolle als „Führungskraft“ verantwortlich wahrnehmen und die als Vorbild handeln.

Quellen:
• DGB-Index Gute Arbeit 2021_01 Arbeiten im Home Office
• Erfolgsfaktor Digital Workspace, Experis
• Projektbericht: Interessierte Selbstgefährdung im Home Office, Universität Hamburg

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Kontaktieren Sie mich gerne über meine Webseite: www.ortner-coaching.de

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Inhaberin - Ortner Coaching GmbH
Melanie Ortner ist ein erfahrener Coach mit einer präzisen Wahrnehmung von Kommunikations- und Verhaltensmustern und der Fähigkeit, deren Konsequenzen wertschätzend und klar zu benennen. Sie begleitet Menschen beim Prozess, sodass Sie Ihre beruflichen und persönlichen Ziele schneller definieren und erreichen.

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